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Digitalisierung der Arztpraxis: Die TI-Querelen und überzogene Nutzendarstellungen von Anbietern erzeugen ein falsches Bild der Transformation

29. März 2018

Worum es geht

Neben einem niedrigen Informations-Stand zur Digitalisierung beeinflussen auch einzelne Themen bzw. die Art der Aufbereitung von Informationen die tendenziell ablehnende Haltung vieler Ärzte. Werden diese Dinge jedoch ausgeblendet, wird Nutzen der Transformation deutlich erkennbar.

Geringes Wissen

Wer aktuell die Kommentare liest, die Befürworter und Gegner der Lockerung des Fernbehandlungsverbotes im Rahmen der Befragung des Hartmannbundes abgegeben haben, erkennt schnell, wie gering – unabhängig von der jeweiligen Pro- oder Contra-Überzeugung – das Wissen von Haus- und Fachärzten über die Digitalisierung ist.

Zwei Themen wirken im Hintergrund

Geht man bei Explorationen in Form von Gruppendiskussionen, Interviews und Befragungen weiter in die Tiefe, kristallisieren sich immer wieder zwei thematische Einflüsse heraus, die eine nachhaltig negative Wirkung auf die ärztliche Meinungsbildung zur Transformation haben:

Das TI-Desaster

Zum einen handelt es sich um die nicht endenden Querelen in Zusammenhang mit der Telematikinfrastruktur. Hierzu geben Ärzte an, nicht nur vom Projektverlauf „genervt“, sondern auch durch die angedrohten Sanktionen verärgert zu sein. Zudem verfestigt sich immer mehr der Eindruck, dass die Digitalisierung etwas äußerst Kompliziertes ist, das noch nicht einmal Fachleute in den Griff bekommen.

Überzogene Nutzendarstellungen

Der zweite Einfluss geht von überzogenen Informationen aus, die manche Anbieter von Digital-Lösungen oder Projekt-Entwickler verbreiten und die darauf hinauslaufen, Technik und Systeme als dem ärztlichen Können überlegen darzustellen, um so beispielsweise ihre Attraktivität für Investoren zu erhöhen. Deshalb ist es auch nicht erstaunlich, dass Ärzte die Digitalisierung als eine ihre Existenz bedrohende Substitution empfinden.


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Die Digitalisierung schadet Ärzten nicht, sondern unterstützt sie

Fehlendes Wissen und Themen-Einflüsse bündeln sich – ergänzt durch eine Vielzahl weiterer Faktoren – zu der bekannten skeptischen bis ablehnenden Grundhaltung. Den meisten Ärzten ist auch überhaupt nicht bewusst, dass es zwar eine generelle Digitalisierung-Entwicklung gibt, Richtung, Art und Intensität der Transformation in den Arztpraxen aber – von Rahmenvorgaben abgesehen – individuell-unternehmerische Entscheidungen sind. Auch die Funktion des Arztes wird in ihrem Kern noch lange fortbestehen, allerdings zukünftig unterstützt durch hierfür geeignete digitale Geräte, Techniken und Systeme, die aber nur eine Assistenzfunktion besitzen. Doch was ist z. B. dagegen einzuwenden, in Sekundenschnelle auf tausende von Patientenfälle zurückgreifen und sie im Hinblick auf eine spezifische Fragestellung auswerten zu können? Was mit den Ergebnissen dann geschieht, bestimmt jeder Arzt selbst.

©Klaus-Dieter Thill / IFABS

Diesen Beitrag zitieren

Thill, Klaus-Dieter: (Titel), IFABS: BENCHMARK!, (Publikations-Datum des Beitrags)

Bildnachweis

©IFABS Photo-Edition, erhältlich bei EYEEM und GETTY IMAGES

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