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Barrieren der digitalen Transformation des ambulanten Sektors: Beispiel Medikationsplan

20. Januar 2017

Die Umsetzung des bundeseinheitlichen Medikationsplans (BMP) geht in eine neue Runde mit kontroverser Diskussion. Doch das ist gut so, denn die Anbieter digitaler Lösungen lernen dadurch, wie Mediziner denken und handeln.

Zwei Welten

Wer häufig mit Anbietern digitaler Lösungen für Arztpraxen einerseits und Praxisteams andererseits zusammenarbeitet, dem ist sicherlich bereits aufgefallen, wie weit die Denk- und Handlungsweisen der beiden Gruppen voneinander entfernt sind und diese Kluft eine grundlegende Barriere für die Digital-Transformation von Arztpraxen bildet. Ein aktuelles Beispiel ist der Medikationsplan und der mit seiner Implementierung verbundene Konflikt zwischen EDV-Anbietern und der Ärzteschaft, der sich an den Kosten der zusätzlich notwendigen Praxissoftware-Anpassung entzündet hat.

Mediziner informierten nicht über Arzneimittel

Um die Denkweise der Mediziner verstehen zu können, ist ein Blick auf das bisherige Geschehen erforderlich. Im Rahmen der Arzt-Patienten-Kontakte wäre eigentlich seit jeher eine Aufklärung über verordnete Arzneimittel nebst einer Überprüfung möglicher Interaktionen mit bereits verschriebenen Medikamenten obligatorisch und mit dem Beratungshonorar der Gebührenordnung finanziell abgegolten. Doch nur ein kleiner Teil der Ärzte hat diese äußerst wichtigen Informationen erhoben und vermittelt, so dass der Gesetzgeber sich gezwungen sah, die Umsetzung dieses Teils der Patientenaufklärung mit Hilfe des bundesweit geltenden Medikationsplans durch Standardisierung und Systematisierung sicherzustellen.

Doppelte Honorierung

Hierfür forderte die Ärzteschaft, da ja mit der Realisierung ein Mehraufwand verbunden ist, ein Zusatzhonorar, dessen Höhe nun nach langen Diskussionen feststeht. Unberücksichtigt bleibt dabei die beschriebene Tatsache, dass ja – objektiv betrachtet – eine in der Vergangenheit nicht erbrachte und bereits bezahlte Leistung nachträglich umgesetzt und ein weiteres Mal erstattet wird.

Wunsch nach kostenloser Software-Bereitstellung

Die konkrete Umsetzung des Medikationsplans bedarf ergänzend noch einer Adaption der Praxis-Softwaresysteme. Die EDV-Anbieter haben den Zusatz inzwischen entwickelt und stellen ihn kostenpflichtig bereit. Die Ärzteschaft möchte diese Investition jedoch nicht finanzieren, da sie ihren Teil der gesetzlichen Vorgaben zum Plan erfüllt hat und das zusätzlich vereinbarte Honorar der Medikationsplan-Erstellung zur Finanzierung der EDV-Zusatzkosten nicht ausreicht.

Ein Lehrstück

Unabhängig davon, welche Einigung sich demnächst ergeben wird, ist das Medikationsplan-Projekt ein Lehrstück dafür, wie vielfältig die Aspekte sind, die speziell Anbieter im Rahmen eines digitalen Change Managements beachten müssen.

©Klaus-Dieter Thill / IFABS

Diesen Beitrag zitieren:

Thill, Klaus-Dieter: Barrieren der digitalen Transformation des ambulanten Sektors – Beispiel Medikationsplan, BENCHMARK!, (Publikations-Datum des Beitrags)

Bildnachweis:

© IFABS Photo-Edition, erhältlich bei EYEEM und GETTY IMAGES

IFABS TeleConsulting-Shop Thill

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