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Digitale Transformation des Gesundheitswesens: Ist Dr. Google Freund oder Feind der Mediziner?

19. Januar 2017

Viele Ärzte stehen Internet-Informationen für Laien kritisch bis ablehnend gegenüber und beklagen ihren negativen Einfluss auf die Patientengespräche. Doch hinter dieser Haltung verbirgt sich etwas ganz anderes.

Ärzte sind nicht generell internetfeindlich eingestellt

Grundsätzlich sind Ärzte in Klinik und Praxis dem Internet gegenüber positiv eingestellt, das belegen die Nutzungszahlen. Nur ein kleiner Teil der Ärzteschaft lehnt dieses Medium ab. Das Verhältnis wird erst dann problematisch, wenn – wie Gruppendiskussionen und Befragungen zeigen -, Internet-Informationen von Patienten in die Arztkontakte eingebracht werden, die häufig unzutreffend sind.

Doch warum reagieren Mediziner so ablehnend?

Hintergrundgespräche zeigen vor allem folgende drei Punkte:
(1) Mediziner betrachten es nicht als ihre Aufgabe, Fehlinformationen aus dem Netz oder anderen Quellen zu korrigieren.
(2) Sie beklagen die aus den Richtigstellungen resultierenden Zeit- und Einkommensverluste, da die Korrektur der von den Patienten angeführten Inhalte die Gespräche unnötig verlängern.
(3) Sie fühlen sich in ihren medizinischen Entscheidungen von den Patienten, also von Laien, kritisiert.

Das Problem hat zwei Seiten

Wenig beachtet wird dabei von ärztlicher Seite, dass
– der gestiegene Informationsbedarf nicht durch die Verfügbarkeit entsprechender Medien verursacht wird, sondern vor allem durch eine seit jeher zu geringe Patienteninformation der Ärzte. Das beste Beispiel ist die Aufklärung über die Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten. Dass Patienten nach Ersatz suchen, ist deshalb kaum verwunderlich.
– Patienten, die eigeninitiativ und aktiv im Netz recherchieren, besitzen ein ausgeprägtes Gesundheits- bzw. Krankheitsbewusstsein, die beste Voraussetzung für Compliance und persönliche Mitarbeit am Heilungs- und Genesungsprozess. Noch vor wenigen Jahren beklagte die Ärzteschaft, dass Patienten sich zu wenig informieren und kaum Interesse zeigen, nun ist das Gegenteil der Fall, aber die Klagen setzen sich auf anderer Ebene fort.
– die tradierte, an- und verordnende ärztliche Grundhaltung auf veränderte Patienten-Anforderungen stößt und immer weniger akzeptiert wird. Patienten suchen heute nach medizinischen Beratern auf Augenhöhe und setzen auf Adhärenz.

Abwehr gegen Veränderung

In der Gesamtbewertung ist die Ablehnung Internet-informierter Patienten durch Mediziner nichts anderes als der Abschottungs-Versuch gegen ein neues Arzt-Selbstverständnis und veränderte Handlungsanforderungen:
– statt sich passiv über Falschinformationen zu ärgern, ist es notwendig, dass Ärzte aktiv geeignete Quelle identifizieren und anbieten,
– Patientengespräche verlaufen zunehmend dialogorientierter und erfordern jetzt Verhandlungsgeschick, hier müssen Ärzte „nachrüsten“ und bekommen dann dabei auch ihr Timing in den Griff,
– Fragen von Patienten sind keine Angriffe, sondern signalisieren einen Informations-Bedarf, der positiv zu betrachten ist, denn an diesen Stellen kann gezielt nachgebessert, die eigene Kompetenz unterstrichen und eine eindeutige Abgrenzung zu Internetquellen vorgenommen werden.

Fazit

So lässt sich die Eingangsfrage abschließend eindeutig beantworten: das Internet ist ein Instrument, das von Mediziner, die die Veränderungen im Gesundheitswesen wahrnehmen und hierauf reagieren, so produktiv einsetzbar ist, dass Patienten motiviert und ihre Versorgung sogar verbessert werden. Wer sich jedoch nicht mit der Entwicklung arrangieren möchte, hat zumindest ein Feindbild, aber sieht sich auch mit zunehmenden Problemen konfrontiert.

©Klaus-Dieter Thill / IFABS

Diesen Beitrag zitieren:

Thill, Klaus-Dieter: Digitale Transformation des Gesundheitswesens – Ist Dr. Google Freund oder Feind der Mediziner?, BENCHMARK!, (Publikations-Datum des Beitrags)

Bildnachweis:

© IFABS Photo-Edition, erhältlich bei EYEEM und GETTY IMAGES

IFABS TeleConsulting-Shop Thill

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