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Digitalisierung des Gesundheitswesens: Die Probleme der Gegenwart bestimmen das Leistungspotenzial der Zukunft

19. Dezember 2016

Die Ausgangslage wird zu wenig beachtet

Besser, schneller, einfacher: so lautet in der Kurzform die Nutzenargumentation, die die Digitalisierungs-Promotoren im Gesundheitswesen kommunizieren. Und tatsächlich treffen diese Eigenschaften zu, allerdings nur, wenn auch entsprechende Einsatz-Grundlagen geschaffen werden. Hiermit sind zum einen übergeordnete Aspekte wie z. B. die Datensicherheit oder Anwendungs-Standards gemeint, aber auch die konkreten Anwendungs-Voraussetzungen bei den einzelnen Akteuren. Damit Konzepte, Technologien und Instrumente überhaupt ihre Potenziale entfalten können, müssen entsprechende konkrete Einsatzbedingungen existieren. Doch dieser Aspekt wird gegenwärtig kaum berücksichtigt.

Beispiel Arztpraxis

So ist es auch nicht verwunderlich, dass Ärzte anlässlich von Gruppendiskussionen zum Thema die feste Überzeugung äußerten, dass die kommenden Technologien und Anwendungen dazu führen werden, dass gegenwärtige Probleme des Praxismanagements vollständig beseitigt oder zumindest in ihren negativen Effekten gemildert werden. Eine Übertragung dieser Sichtweise in die gegenwärtige Praxismanagement-Realität macht jedoch schnell deutlich, dass der „Technologie-Problemradierer“ nicht so funktionieren kann, wie Mediziner es annehmen.

Scheitern bereits bei einfachen Digitalisierungs-Ansätzen

Nimmt man z. B. die Ergänzung der Patientenkontakte durch Online-Videosprechstunden und berücksichtigt hierbei den gegenwärtigen Qualitätsrahmen der Praxisorganisation, wird die Dimension des Problems offensichtlich: aktuell setzen Praxisteams – über alle Fachgruppen und Praxisformen bzw. –größen betrachtet – durchschnittlich nur 46,8% der für eine reibungslos funktionierende Praxisorganisation notwendigen Regelungen und Instrumente ein. Die hieraus resultierende Patientenzufriedenheit erfüllt lediglich 58,3% der Anforderungen und Wünsche. Und selbst in Betrieben, in denen akut keine Beeinträchtigung der Arbeit spürbar ist, existieren häufig organisatorische Risikofaktoren, die mittel- bis langfristig zu Problemen führen.

Flaschenhals Gegenwart

Das bedeutet, dass die meisten Teams heute gar nicht in der Lage sind, einen produktivitäts- und patientenorientiert funktionierende Betrieb zu gewährleisten. Hinzu kommen Defizite in der Patientenkommunikation, die das Integrationsproblem weiter erschweren. Damit sind bereits die Grundanforderung an die Einbeziehung von Video-Sprechstunden nicht erfüllt, selbst wenn die Anbieter unterstützende Leistungen wie z. B. virtuelle Wartezimmer bereitstellen.

Beispiel Zuweiser-Kooperation und elektronischer Arztbrief

Untersucht man die Berichterstattung zum Thema „Elektronischer Arztbrief“, dominiert bei der Beschreibung der Vorteile das Argument einer deutlichen Verbesserung der Kommunikation. Das neue Transfer-Prinzip beschleunigt ohne Zweifel die Übertragung und hat dadurch einen technisch-administrativen Nutzen, ergänzt um den betriebswirtschaftlichen einer Zeit-, Material- und Versandkosten-Einsparung. Die Digitalisierung ändert jedoch nichts an den zwei Haupt-Kritikpunkten, die niedergelassene Mediziner an den Befund-Berichten der ambulanten Spezialisten, aber auch an denen von Krankenhäusern generell haben: den unzureichenden Inhalten und dem zu späten Zeitpunkt der Informations-Bereitstellung.

Fazit

Um das Potenzial digitaler Lösungen aktivieren und erschließen zu können, müssen die Arbeitsgrundlagen von Arztpraxen, aber auch anderer Akteure, zunächst optimiert werden. Ohne diese Grundlage bleibt vieles nur Stückwerk, ein Umstand, der dann der Digitalisierung angelastet wird. Wird der Zusammenhang jedoch erkannt, kann die Digitalisierung zu einer deutlichen Potenzial- und Qualitätssteigerung im Gesundheitswesen führen, einmal durch die Beseitigung der Defizite und zum anderen – potenzierend – durch die Effekte der digitalen Lösungen selbst.

©Klaus-Dieter Thill / IFABS

IFAB Thill TeleConsulting-Shop

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