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Arzt-Patienten-Kommunikation bei der Erstellung von Medikationsplänen: Eine Exploration zeigt, welche Chancen Mediziner hierbei gegenwärtig verschenken

7. Dezember 2016

Die Patientensicht

Die Diskussion über den Medikationsplan ist gegenwärtig hauptsächlich auf den hierfür aufzuwendenden Zeitbedarf der Mediziner und die Honorierung ausgerichtet. Doch was halten Patienten von dem neuen System und wie beurteilen sie die hiermit verbundenen Arztgespräche? In einer Exploration wurden Patienten, für die ein Medi-Plan erstellt wurde, nach ihren Erfahrungen befragt.
Patienten befürworten den Plan

Den generellen Nutzen des Instrumentes bewerteten 70% der 116 befragten Patienten als sehr hoch bzw. hoch, die Restgruppe als eher gering und sehr gering.
Schnelle Planerstellung 

Die Praxisbesucher wurden ergänzend gebeten, den Gesprächsverlauf auf einer Skala von „0“ („Der Arzt hat den Plan schnellstmöglich, kommentarlos und nebenher erstellt.“) bis „10“ („Der Arzt hat sich Zeit genommen und begleitende Informationen / Erklärungen gegeben.“) zu beurteilen. Als Durchschnitt ergab sich ein Wert von 2,3.
Problematischer Gesprächsauftakt
Die meisten Mediziner leiteten die Erstellung mit Formulierungen wie: „…wir müssen ja auch noch Ihren Medikationsplan erstellen…“ oder: „…dann lassen Sie uns noch schnell Ihren Medikationsplan aufstellen…“ ein. Diese Einführung war in den meisten Fällen gleichzeitig programmatisch für den weiteren Verlauf: die in der Praxis verordneten Medikamente wurden aufgezählt, ggf. darüber hinaus eingenommene Präparate knapp erfragt und die Erstellung abgeschlossen. Nur fünf Praxisinhaber boten eine Gelegenheit für Rückfragen bzw. Gespräche an.
Die falsche Sicht der Ärzte

Mediziner betrachten ihre Patienten-Kontakte zur Erstellung der Medikationspläne rein Sachziel-bezogen und unter dem Zeit-Kosten-Aspekt. Richtet man hingegen die Perspektive auf den generellen Kontext der Patientenführung, verschenken Ärzte mit dem beschriebenen Verhalten eine Vielzahl von Möglichkeiten zur medizinischen Qualitätssicherung, zur Patientenbindung und zur Imagebildung. Diese lassen sich nicht direkt monetär abbilden, wirken aber über Zwischenmechanismen entsprechend
Hilfreiche Bestandsaufnahme 

Aus ablauforganisatorischer Sicht mag es durchaus hinderlich sein, die Pläne zu erstellen, medizinisch ist es jedoch äußerst sinnvoll, die Anfertigung als Anlass zu nehmen – gerade bei chronisch erkrankten Praxisbesuchern – nach längerer Zeit wieder (oder überhaupt zum ersten Mal) einen Medikations-Check durchzuführen, da die Patienten ja u. a. auch zu ihrem Selbstmedikationsverhalten oder zu Verordnungen anderer Ärzte befragt werden. Präparate der letztgenannten Medikations-Black Box können durchaus negative Effekte auf die Wirksamkeit der originären Medikation haben und dadurch ihre Wirksamkeit und in der Folge die Patientenzufriedenheit beeinflussen.
Compliance-Sensibilisierung
Wer Patienten gegenüber diese Bestandsaufnahme auf einen rein administrativen Akt reduziert, verschenkt zudem die Option, in einem passenden Kontext auf die Notwendigkeit eines regelmäßigen oder bestimmungsgemäßen Einnahme-Verhaltens hinzuweisen. Weniger als zehn Prozent der niedergelassenen Ärzte beschäftigen sich nach Verordnungen in zeitlichen Abständen auch mit dem Aspekt des Einnahmeverhaltens, das aber ebenfalls den medizinischen Erfolg und die Patientenzufriedenheit beeinflusst.
Abgrenzung zu Dr. Google

Sorgfalt, Gründlichkeit, Systematik und Informationsbereitschaft sind Schlüssel-Merkmale, mit denen Patienten die Leistungsqualität von Ärzten bewerten. Die Art der Erstellung des Medikations-Plans bietet Medizinern die Möglichkeit, ihren Patienten gegenüber diese Aspekte herauszustellen und offene Fragen zu klären. Das fördert nicht nur die Qualität der Arzt-Patienten-Beziehung, sondern auch das Image des Arztes und positioniert ihn u. a. eindeutig gegenüber Internetquellen.

©Klaus-Dieter Thill / IFABS

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