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Das Competition-for-competence-Dilemma von eHealth und mHealth:
Wenn Patienten der digitalen Medizin mehr vertrauen als ihrem Arzt

29. Januar 2016
Das Competition-for-competence-Dilemma von eHealth und mHealth:
Wenn Patienten der digitalen Medizin mehr vertrauen als ihrem Arzt

Ein Fall aus der Praxis
Im Rahmen unserer Delphi-Befragungen zum eHealth-Themenbereich bei niedergelassenen Ärzten schilderte ein Teilnehmer einen interessanten (Vor-)Fall: ein Patient, dessen neu entdeckte Hypertonie mit einem Medikament angestellt wurde, hatte anhand seiner Selftracking-Daten festgestellt, dass diese durch die Einnahme des Präparates nicht verbessert wurden. Er suchte den Arzt auf und bat um Verordnung eines anderen, wirksamen Medikamentes. Die Erklärung, dass die Arzneimittel-Einnahmedauer noch zu kurz sei und man ggf. auch die Dosis anpassen müsse, überzeugten ihn zunächst nicht. Er führte immer wieder die Objektivität der von ihm gemessenen Daten sowie seine Erkenntnis bestätigende Daten aus Internetforen an. Erst nach langer Diskussion erklärte er sich bereit, den Beobachtungs-Zeitraum zu verlängern, um danach seine Blutdruck-Situation neu zu beurteilen.
Die Trends zum Dilemma
Mit Situationen wie dieser werden Mediziner zukünftig immer häufiger konfrontiert und dadurch in ein Competition-for-competence-Dilemma gelangen, da bereits jetzt drei klare Trends beginnen, das Patientenverhalten zu verändern:
(1) Hatten Ärzte bislang die „Hoheit“ über alle Daten der Diagnostik und des Monitorings, erheben und besitzen Patienten, unterstützt durch eHealth- und mHealth-Lösungen, nur „Konkurrenz-Daten“, die sie selbst erhoben haben. Mediziner stehen nun vor der Aufgabe, sowohl im Hinblick auf die Umsetzung der von ihnen als geeigneten Therapien als auch unter Berücksichtigung der Patientengewinnung und -bindung ihre eigenen Messwerte mit denen der Patienten in Einklang zu bringen. Gegenwärtig besteht – vor allem aus Hilflosigkeit – die Tendenz, den Patientenangaben einfach die Objektivität abzusprechen, doch mittelfristig ist das nicht mehr ohne Nachteile für die eigene Praxis möglich.
(2) Aber auch bei Einschätzungen diagnostischer Ergebnisse und der Auswahl von Therapie-Verfahren wandeln sich Internet-Foren und -Ratgeber zu Kompetenz-Konkurrenten, der bisher geltende Alleinanspruch der Ärzte fällt und kann – je nach Patienten-Typ – bis zu einer Kompetenz-Degradierung in den Augen der Behandelten führen.
(3) Durch die Popularisierung der Medizin verlieren die Leistungen von Arztpraxen ihren unikalen Nimbus. Praxen entwickeln sich in den Augen der Patienten zu Dienstleistungsbetrieben, die bewert- und kritisierter sind. Schon heute finden sich in Patientenbefragungen in deutlicher steigender Tendenz Begriffe wie „Service“, Bedienung“ oder „Komfort“, die vor wenigen Jahren noch gar nicht genannt wurden.
Neue Kommunikations-Strategien
Ärzte müssen einen neuen ohne die Selftracking-Aktivitäten der Patienten abzuwerten


Die meisten Ärzte werden diese Entwicklungen vor völlig neue Situationen stellen. Bislang hatten sie die medizinische Versorgung in der Hand. Nun müssen sie umdenken, denn Patienten schalten vom ihrem bisherigen Akzeptanz- in einen Anforderungs-Modus. Konkret bedeutet das für die Arzt-Patienten-Kommunikation, dass Ärzte 
(a) einen Kompetenzaufbau für ihre Leistungen betreiben müssen und gezwungen sind
(b) Verhandlungs-Strategien zu entwickeln, um dem steigenden Kommunikationsbedarf zu begegnen, der aus den vielen Informationen erwächst, die eHealth- mHealth-Lösungen bieten und (ihre therapeutischen Überzeugungen gegen Internet-basierte und Tracking-gestützte Informationen durchzusetzen.

© Klaus-Dieter Thill / IFABS

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