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Arzt-Bewertungsportale aus Anwendersicht: Hohes Interesse, aber offene Fragen

26. März 2012

Arzt-Bewertungsportale erhalten immer mehr Zuspruch. Vor allem werden sie – so das Ergebnis unserer Untersuchungen – bei der Suche nach Alternativen für Mediziner verwendet, mit denen Patienten unzufrieden sind. Aber auch die Recherche nach Ärzten zur Behandlung spezieller Krankheitsbilder bildet einen Anwendungsschwerpunkt. An dritter Stelle steht das Interesse zu erfahren, wie andere Patienten den eigenen Haus- oder Facharzt beurteilen, gefolgt vom Anliegen, eigene Arzterfahrungen anderen mitzuteilen. Haupt-Akteure in den Portalen sind vor allem Personen, die bereits Erfahrungen mit Gesundheitsportalen generell gesammelt haben oder regelmäßig medizinische Themen im Internet recherchieren. Eine Vielzahl von Portal-Interessenten fühlt sich jedoch in Bezug auf die Nutzung unsicher. Im Folgenden sind die am häufigsten in unseren Erhebungen ermittelten Fragen zusammengestellt :
Welche Ziele verfolgen Arzt-Bewertungsportale? Ziel der Arzt-Bewertungsportale ist, der Öffentlichkeit frei zugängliche Foren zu bieten, in denen die Erfahrungen, die Patienten mit ihren behandelnden Ärzten gemacht haben, beschrieben und dokumentiert werden können. Gleichzeitig eignen sich diese Beschreibungen für Arzt-Suchende als Hilfe für ihre Auswahlentscheidung. Darüber hinaus besteht für die in den Portalen vertretenen Mediziner die Möglichkeit, ihr Leistungsangebot zu beschreiben. Die Zusammenführung und Veröffentlichung dieser Informationen soll die Arbeit niedergelassener Ärzte transparenter machen und sie dazu anspornen, die Betreuungs- und Versorgungsqualität möglichst weitgehend den Patientenanforderungen anzupassen.
Worin unterscheiden sich die verschiedenen Arzt-Bewertungsportale? In der Grundfunktion, Ärzte nach verschiedenen Kriterien, z. B. Fachrichtung, Ort, Name etc. suchen zu können, gleichen sich die Portale, ebenso in der Möglichkeit, Bewertungen, Empfehlungen und Kommentare abzugeben. Der wesentliche Unterschied liegt in der Auswahl und der Anzahl der Kriterien, mit deren Hilfe Ärzte beurteilt werden können.  Hinzu kommen Unterschiede in den Bewertungsverfahren. Eine Übersicht der Stiftung Warentest aus dem März 2011 finden Sie über folgenden Link: ( http://www.test.de/themen/gesundheit-kosmetik/test/Arztbewertungen-Das-bringen-die-Portale-4206857-4211423/)
Gibt es „gute“ und „schlechte“ Portale? Die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung haben unter dem Titel „Gute Praxis Bewertungsportale“ durch das Ärztliche Zentrum für Qualität (ÄZQ) Kriterien aufstellen lassen, die die Qualitätsanforderungen für Arztbewertungsportale beschreiben (http://www.aezq.de/mdb/edocs/pdf/info/gute-praxis-bewertungsportale.pdf). Erste Anwendungen der Kriterien auf ausgewählte Portale erbrachten durchaus Unterschiede, z. B. in der Transparenz der Bewertungs-Schemata. Die Bewertung erfolgte jedoch zeitpunktbezogen und die Portale entwickeln sich ständig weiter, so dass der Kriterienkatalog nur für rein retrospektive Qualitätsbestimmung einsetzbar ist. Für den potentiellen Nutzer gibt es eine pragmatische Lösung, mögliche Qualitätsunterschiede auszuschalten: er verwendet für seine Recherchen einfach mehrere Portale und stellt damit seine Informationsbasis gleichzeitig auf eine breitere Grundlage.
Einige Portale werben mit Fragenkatalogen, die wissenschaftlich basiert entwickelt wurden. Garantieren diese eine höhere Qualität der Bewertungen? Die wissenschaftliche Aufbereitung der Fragenkataloge, mit denen Ärzte und ihre Arbeit bewertet werden sollen, sorgt dafür, dass systematisch und umfassend möglichst alle Aspekte der Arzt- und Praxisleistung erfasst werden. Die Abdeckung dieser Punkte erreicht jedoch auch Portale, die ohne wissenschaftliche Unterstützung auskommen, da die in Frage kommenden Kriterien klar eingrenzbar und überschaubar sind.
Welche konkrete Hilfe kann ich von Arzt-Bewertungsportalen bei meiner Arztsuche erwarten? Die Portale, besser: die hier gesammelten Arzt-Bewertungen, zeigen, wie einzelne Patienten die Praxen und ihre Betreuung dort empfunden haben. Es werden also Einzelstimmen gesammelt, die Eindrücke und Erlebnisse schildern. Diese geben Hinweise  auf die Arbeitsweise in den bewerteten Praxisbetrieben. Je mehr Bewertungen pro Praxis vorliegen, desto eher ergibt sich ein Gesamtbild, dass man für die eigene Auswahlentscheidung heranziehen kann.
Wie verlässlich sind die Bewertungen? Jede Arztbeurteilung ist subjektiv und spiegelt die persönliche Einstellung und Erfahrung der beurteilenden Patienten wider. So kann es sein, dass ein Patient besonderen Wert auf eine reibungslose Organisation und eine möglichst schnelle Behandlung durch den Arzt legt, einem anderen ist eine möglichst intensive ärztliche Aufklärung wichtig. Beide werden unterschiedliche Eindrücke von derselben immer nur Ausschnitte dar und geben einzelne Facetten wieder, sie sind keine vollständigen Protokolle der Arztbesuche von der Begrüßung bis zur Verabschiedung. So kann der zum Beispiel geschilderte Ärger mit einer Arzthelferin nur einen kleinen Teil des gesamten, sonst vielleicht positiven Besuchs ausgemacht haben, für den Leser stellt es sich so dar, als ob der gesamte Praxisaufenthalt negativ war.  Jeder Portal-Nutzer muss deshalb auf die für ihn wichtigen Kriterien achten und die hierzu passenden Beurteilungen heraussuchen.
Ist ein Arzt mit wenigen Bewertungen ein schlechter und einer  mit vielen ein guter Arzt? Die Anzahl der Bewertungen ist grundsätzlich kein Kriterium für die Arztqualität. Auch bei einer größeren Anzahl von Bewertungen ist die Anzahl selbst kein Qualitätsindikator. Ausschlaggebend sind die Inhalte der Bewertungen.
Ich war bei einem Arzt, der in einem Portal sehr gute Kritiken erhalten hat, war aber mit ihm überhaupt nicht zufrieden. Wie kann das sein? Erfahrungsgemäß beschreibt ein nur sehr kleiner Anteil der Patienten einer Arztpraxis seine Erfahrungen. Somit ist das Meinungsbild nie repräsentativ und stellt nur einen sehr kleinen Ausschnitt aller Patienten und ihrer Meinungen dar. Je weniger Bewertungen abgegeben werden und je einheitlicher diese – positiv oder negativ ausgerichtet – sind, desto eher kann ein falsches Bild des Arztes entstehen.
Muss ich mich registrieren, wenn ich Ärzte suchen und vergleichen möchte? Ob eine Registrierung notwendig ist oder nicht hängt von der persönlichen Zielsetzung ab, die mit der Portalnutzung verbunden ist. Wer nur Recherchen durchführt, benötigt keine Anmeldung. Möchte man jedoch Bewertungen zu Ärzten abgeben, ist in den meisten Portalen eine Registrierung obligatorisch. Da die Portale voneinander unabhängig sind, ist eine Registrierung für jedes Portal, in dem man seine Kommentare und Beurteilungen abgeben möchte, notwendig.

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From → Arztpraxis, Patienten

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